Christian Ulmen: Ex-Frau wirft ihm Identitätsmissbrauch und virtuelle Gewalt vor
Sophia WeberChristian Ulmen: Ex-Frau wirft ihm Identitätsmissbrauch und virtuelle Gewalt vor
Deutscher Komiker und Schauspieler Christian Ulmen sieht sich schweren Vorwürfen seiner Ex-Frau Collien Fernandes ausgesetzt. Sie wirft ihm vor, unter ihrem Namen gefälschte Online-Profile erstellt, explizite Inhalte verbreitet und in ihrer Identität TelefONSEX betrieben zu haben. Die Anschuldigungen haben die Debatte über Ulmens lange Geschichte umstrittenen, oft frauenfeindlichen Verhaltens neu entfacht.
Fernandes bezeichnete seine Handlungen als "virtuelle Vergewaltigung" und betonte, dass das Überschreiten von Grenzen zentraler Bestandteil seiner Persönlichkeit sei – sowohl auf als auch abseits der Bühne. Die Vorwürfe sind Teil eines größeren Musters mutmaßlichen Missbrauchs, was die Frage aufwirft, warum solches Verhalten so lange toleriert wurde.
Bekanntheit erlangte Ulmen Mitte der 2000er mit der ProSieben-Realityshow "Mein neuer Freund", in der er wöchentlich einen anderen schrecklichen Freund spielte. Das Format sah vor, dass Frauen sein unverschämtes Verhalten ertragen mussten – wer bis zum Ende durchhielt, erhielt Geld. Eine wiederkehrende Figur, der adlige Snob Alexander von Eich, der seine Freundin herabwürdigte, wurde zur Kultfigur. Während Fans die Show als Unterhaltung sahen, kritisierten andere, sie zementiere schädliche Klischees.
Später trieb Ulmen die Provokation auf die Spitze. 2010 entwickelte er mit die Gameshow "Wer will meine Freundin vögeln?", in der Männer in vulgären, erniedrigenden Challenges um den Titel "heißeste Freundin" wetteiferten. Die Sendung wurde wegen ihres frauenverachtenden Tons scharf verurteilt. Zur selben Zeit begann Ulmen eine Beziehung mit Fernandes, damals eine bekannte TV-Moderatorin. Manche, darunter der Autor eines früheren Kommentars, hinterfragten ihre Entscheidung angesichts seines öffentlichen Images. Heute revidieren viele – auch dieser Autor – ihr ursprüngliches Urteil.
Von 2017 bis 2023 spielte Ulmen in der Comedyserie "Jerks" (mit Fahri Yardım), in der er und sein Co-Star überzeichnete, oft sexuell explizite Versionen ihrer selbst darstellten. Fernandes trat als seine Ex-Frau auf, wobei Szenen häufig in demütigende oder peinliche Situationen abglitten. Nach den jüngsten Vorwürfen wurde die Serie von der Streamingplattform Joyn entfernt.
Fernandes' Schilderungen stehen nicht allein. Ihr öffentliches Statement hat andere dazu gebracht, zu reflektieren, wie solches Verhalten normalisiert wurde. Online erlebt der Satz der Missbrauchsüberlebenden Gisèle Pelicot – "Die Scham muss die Seite wechseln" – eine Renaissance als Aufruf zum Umdenken. Der Fokus verschiebt sich zunehmend von der Infragestellung der Opfer zur Verantwortung der Täter.
Die Vorwürfe reihen sich ein in eine wachsende Liste von Fällen, in denen Frauen über Missbrauch durch mächtige Männer sprechen. Ulmens Karriere, aufgebaut auf Provokation und Tabubrüchen, gerät nun in die Kritik, weil sie angeblich die Grenze zwischen Inszenierung und Ausbeutung verwischte. Die Absetzung seiner Shows signalisiert einen Wandel in der Toleranz gegenüber solchem Verhalten.
Ihre Aussage hat breitere Diskussionen über Einverständnis, Verantwortung und die Rolle der Unterhaltungsbranche bei der Ermöglichung schädlichen Verhaltens ausgelöst. Der Fall erinnert erneut daran, wie oft die Erfahrungen von Frauen ignoriert werden – bis sie nicht länger schweigen.






