30 March 2026, 00:03

Überlebt: Wie Thomas Frauendienst den "Todesbunker von Volmarstein" durchstand

Ein historisches Dokument einer Gerichtsverhandlung, das ein Blatt mit Porträts, Vorhängen und Text zeigt.

Überlebt: Wie Thomas Frauendienst den "Todesbunker von Volmarstein" durchstand

Thomas Frauendienst wurde am 23. März 1964 mit angeborenen spastischen Klumpfüßen geboren. Noch in der Nacht seiner Geburt brachte man ihn ins Johanna-Helene-Heim in Volmarstein – eine Einrichtung, die später als "Todesbunker" bekannt wurde, wegen der extrem hohen Kindersterblichkeit. Dort erlitt er jahrelangen extremen Missbrauch: gezielte Aushungerung, wiederholte Vergewaltigungen und über 80 unnötige Operationen.

Schon bei seiner Ankunft wurde Frauendienst im Institutsbuch "Kinder in Sonderverwendung" unter der Nummer 2033 erfasst. Das Personal fesselte ihn ans Bett, zwang ihn zum Erbrechen und ließ ihn fast verhungern. Sein Gewicht sank so dramatisch, dass eine Diakonisse 1968 seine Eltern anrief, um ihn abzuholen – mit der Warnung, er stehe kurz vor dem Tod. Als sie ihn mitnahmen, war er nur noch ein Skelett, tief traumatisiert.

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Trotz des erlittenen Grauens versöhnte sich Frauendienst später mit seinen Eltern, die ihm kaum emotionale Wärme gezeigt hatten. Erst Jahrzehnte nach seinem Martyrium bestätigte eine Studie aus dem Jahr 2023, dass das Johanna-Helene-Heim die einzige Einrichtung in Nordrhein-Westfalen war, in der behinderte Kinder systematisch mit Medikamenten ruhiggestellt und misshandelt wurden. Als Anerkennung für sein Leid zahlte ihm die Diakonie Rheinland/Westfalen-Lippe eine Entschädigung von 5.000 Euro.

Der Fall zählt zu den extremsten Beispielen institutioneller Gewalt im Nachkriegsdeutschland. Frauendienst überlebte Jahre der Folter, medizinischer Experimente und Vernachlässigung durch Menschen, die eigentlich für ihn sorgen sollten. Seine Geschichte ist heute aktenkundig und belegt die Brutalität, die im Johanna-Helene-Heim herrschte. Der Ruf der Einrichtung als "Todesbunker von Volmarstein" bleibt unauslöschlich – geprägt vom Leid unzähliger Kinder wie ihm.

Quelle