02 April 2026, 14:02

Thüringen startet bundesweit erstes Pilotprojekt gegen digitale sexualisierte Gewalt an Schulen

Eine Karte von Australien mit rot schattierten Bereichen, die den Prozentsatz von Minderjährigen in jedem Bundesstaat darstellen, begleitet von Text, der besagt, dass Minderjährige wegen einvernehmlichen Geschlechtsverkehrs in die Sex-Täter-Liste aufgenommen werden können.

Thüringen startet bundesweit erstes Pilotprojekt gegen digitale sexualisierte Gewalt an Schulen

Dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen: Kampf gegen digitale sexualisierte Gewalt an Schulen

Ein dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen hat sich der Bekämpfung digitaler sexualisierter Gewalt an Schulen gewidmet und dabei rund 5.000 Schülerinnen und Schüler erreicht. Yasmina Ramdani leitete Präventionsworkshops für Jugendliche der fünften bis achten Klasse – ein wachsendes Problem, das junge Menschen in ganz Deutschland betrifft. Die vom Landesjugendamt finanzierte Initiative war bundesweit die erste ihrer Art.

Digitale sexualisierte Gewalt hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Laut einer Auswertung der Jugendsexualitätsstudie 2025 hat fast die Hälfte aller Jugendlichen bereits Formen von Missbrauch im Netz erlebt. Cybergrooming – also die gezielte Kontaktaufnahme und Manipulation von Minderjährigen in Chats – betraf im vergangenen Jahr fast jedes vierte Kind.

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Doch das Problem beschränkt sich nicht auf Fremde: Viele Vorfälle geschehen im Bekanntenkreis oder in Klassenchats, oft ausgedrückt durch Naivität oder Gruppendruck. Lehrkräfte erkennen die Dringlichkeit, fühlen sich aber häufig überfordert, angemessen zu reagieren.

In den Workshops kamen interaktive Methoden wie Bingo-Bögen zum Einsatz, um Schülerinnen und Schüler dabei zu unterstützen, eigene Erfahrungen zu erkennen und zu besprechen. Expertinnen und Experten betonen, dass Prävention deutlich kostengünstiger ist als die Bewältigung der langfristigen Folgen digitaler Gewalt. Das Thema rückte durch öffentliche Fälle stärker in den Fokus – etwa durch die Vorwürfe von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, Christian Ulmen, die zeigten, wie digitale Gewalt auch Erwachsene trifft.

Aktuelle Umfragen offenbaren besorgniserregende Trends: Zwei Drittel der Jugendlichen sind laut BIÖG (Bundesvereinigung für Interdisziplinäre Öffentliche Gesundheit) bereits mit sexualisierten Beleidigungen, Belästigungen oder Gewalt im Netz konfrontiert worden. Deepfake-Videos, einst eine Seltenheit, verbreiten sich in Deutschland rasant. Strukturelle Faktoren wie Antifeminismus und die Tatsache, dass die Täter mehrheitlich männlich sind, spielen eine Rolle – 86 Prozent der Opfer sexualisierter Straftaten im Jahr 2024 waren weiblich, wie Daten des BKA zeigen.

Das Thüringer Projekt hat gezeigt, wie zielgerichtete Aufklärung digitale sexualisierte Gewalt eindämmen kann. Gleichzeitig werden Eltern aufgefordert, das eigene Verhalten zu reflektieren und offen mit Kindern über Grenzen zu sprechen. Ohne weitere Investitionen in Prävention, warnen Fachleute, werde das Problem weiter wachsen.

Quelle