Nora Burgard-Arps dystopischer Roman trifft auf den "Safe Abortion Day" in Bottrop
Theo BauerNora Burgard-Arps dystopischer Roman trifft auf den "Safe Abortion Day" in Bottrop
Am 26. September 2025 liest die Autorin Nora Burgard-Arp im Film Forum Bottrop aus ihrem Debütroman "Wir nicht". Die Veranstaltung steht im Vorfeld des "Safe Abortion Day" am 28. September, einer weltweiten Kampagne für sichere und legale Abbrüche. Ihr dystopischer Roman entwirft eine Welt, in der reproduktive Rechte systematisch abgeschafft werden – ein Szenario, das aktuelle Debatten in Deutschland und international widerspiegelt.
Burgard-Arps Roman begleitet Mathilda, eine junge Frau, die gesellschaftliche Ungerechtigkeiten lange schweigend hinnimmt, bis eine ungewollte Schwangerschaft sie zum Handeln zwingt. Angesichts extremer Repressionen ergreift sie radikale Maßnahmen, um die Kontrolle über ihren eigenen Körper zurückzugewinnen. Die Lesung soll zum Nachdenken über geltende Gesetze anregen und die Gefahren eines Rückschritts bei den reproduktiven Freiheiten aufzeigen.
Im Anschluss an die Lesung entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über politische Verantwortung. Viele fragten, wie sich verhindern lässt, dass die dystopischen Visionen des Buches Wirklichkeit werden. Die Veranstaltung beleuchtete zudem die Geschichte des "Safe Abortion Day", der 1990 als Initiative zur Entkriminalisierung von Abbrüchen in Lateinamerika und der Karibik ins Leben gerufen wurde.
In Deutschland sind Abbrüche seit 1871 im Strafgesetzbuch verankert, auch wenn Ausnahmen unter bestimmten Bedingungen eine Straffreiheit ermöglichen. Österreich reformierte 1975 mit der "Fristenregelung" seinen Ansatz und erlaubte seither straffreie Abbrüche im ersten Schwangerschaftsdrittel. Heute streben EU-weite Bestrebungen an, Abbrüche vollständig aus dem Strafrecht zu entfernen und den Zugang zu entsprechenden Einrichtungen zu verbessern. Das Bottroper Gleichstellungsbüro unterstützt diese Reformen und setzt sich auf lokaler und nationaler Ebene für Veränderungen ein.
Burgard-Arp bietet zudem kostenlose Schullesungen auf Einladung von Lehrkräften an. In diesen Veranstaltungen werden Schüler:innen ermutigt, sich mit den Themen körperliche Selbstbestimmung und strukturelle Machtverhältnisse in ihrem Werk auseinanderzusetzen.
Die Bottroper Veranstaltung verbindet Literatur mit realem Aktivismus und nutzt fiktionale Erzählungen, um Gleichgültigkeit herauszufordern. Angesichts der Tatsache, dass Deutschlands Abtreibungsgesetze noch immer auf Gesetzgebung aus dem 19. Jahrhundert beruhen, fordern Kampagnen wie der "Safe Abortion Day" eine dringend notwendige Modernisierung. Die Diskussion machte deutlich: Politisches Engagement – sowohl auf individueller als auch auf kollektiver Ebene – bleibt entscheidend, um reproduktive Rechte zu verteidigen.






