Von Saisonarbeitern zu Zwangsarbeitern: Italiener in Hitlers Deutschland 1937–1945

Von Saisonarbeitern zu Zwangsarbeitern: Italiener in Hitlers Deutschland 1937–1945
Zwischen den späten 1930er-Jahren und 1945 reisten Zehntausende Italiener nach Deutschland – zunächst als Saisonarbeiter, später als Zwangsarbeiter. Ihre Behandlung änderte sich dramatisch, nachdem Italien 1943 die Seiten wechselte und über 600.000 italienische Soldaten unter nationalesozialistische Kontrolle gerieten. Diese Männer, als "Italienische Militärinternierte" abgestempelt, erlitten harte Bedingungen, die die brutale Realität hinter der Arbeitskräftepolitik im Krieg offenbarten.
Die italienische Migration nach Deutschland blieb bis in die 1930er-Jahre hinein begrenzt. Sprachbarrieren, wirtschaftliche Instabilität und die chaotischen Verhältnisse der Weimarer Republik hielten die Zahlen niedrig. Das änderte sich 1937, als Deutschland einen Mangel an polnischen Landarbeitern verzeichnete und sich an Rom wandte, um Ersatz zu finden. 1938 öffnete sich der deutsche Arbeitsmarkt offiziell für Italiener – zunächst für saisonale Tätigkeiten in der Landwirtschaft, bald aber auch für industrielle Arbeiten.
Die Nachfrage nach italienischen Arbeitskräften stieg 1941 stark an. Mit dem Unternehmen Barbarossa wurden Hunderttausende Deutsche in die Wehrmacht eingezogen, wodurch in den Fabriken ein Mangel von etwa 300.000 Arbeitern entstand. Das NS-Regime blickte nach Italien, um die Lücke zu schließen, und trieb die Anwerbung voran. Nach dem Waffenstillstand Italiens im September 1943 verschärfte sich die Lage der Italiener in Deutschland. Über 600.000 gefangene Soldaten wurden als "Italienische Militärinternierte" (IMI) eingestuft und in das Reichsgebiet deportiert. Rechtlos gemacht, wurden sie in Arbeitslagern interniert, einige sogar in Konzentrationslager verlegt. Viele wurden zu erschöpfender Zwangsarbeit in Schlüsselsektoren gezwungen – in Hydrierwerken, Flugzeughallen und U-Boot-Werften. Die Bedingungen waren höchst unterschiedlich: Manche Internierte wurden in separaten Kriegsgefangenenlagern festgehalten, andere landeten in gemischten Transporten oder externen Arbeitskommandos. Einige berichteten von Hilfe durch Zivilisten, doch die meisten litten unter Brutalität und Entkräftung. Bis 1944/45 starben Tausende an Hunger, Krankheiten oder bei Lagerräumungen.
Die Erlebnisse der Italiener in Deutschland zeigen den schroffen Gegensatz zwischen früher wirtschaftlicher Zusammenarbeit und späterer kriegsbedingter Ausbeutung. Zunächst als Arbeitskräfte willkommen, wurden sie unter der NS-Herrschaft zu Opfern der Zwangsarbeit. Ihre Behandlung – von ziviler Unterstützung bis zum Tod in Konzentrationslagern – spiegelt die grausamen Realitäten von Kriegsbesetzung und industriellem Bedarf wider.

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