Silvester 2016: Wie die Kölner Angriffe Deutschland veränderten

Henriette Reker zu ihrer 'Distanz' - Äußerung: 'Das war falsch' - Silvester 2016: Wie die Kölner Angriffe Deutschland veränderten
Die Silvesterangriffe von Köln 2016 hinterließen tiefe Spuren in Deutschlands Umgang mit Migration und öffentlicher Sicherheit. Über 1.200 Strafanzeigen wurden erstattet, darunter mehr als 500 wegen sexueller Übergriffe, wobei die meisten Tatverdächtigen aus Nordafrika stammten. Das Ereignis prägte auch die politische Debatte und löste massive Kritik an der damaligen Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker aus, die mit umstrittenen Äußerungen im Nachgang der Vorfälle für Aufsehen sorgte.
In der Neujahrsnacht 2015/16 versammelten sich Menschenmengen im Kölner Stadtzentrum, wo Hunderte Frauen sexuelle Belästigungen und Raubübergriffe meldeten. Die Angriffe führten zu 1.210 Strafanzeigen, davon 511 wegen Sexualdelikten. Später wurden 46 Personen angeklagt, überwiegend aus Algerien und Marokko, und es kam zu 36 Verurteilungen.
Henriette Reker, damals Oberbürgermeisterin von Köln, geriet zunächst in die Kritik, nachdem sie Frauen geraten hatte, potenzielle Angreifer "auf Armlänge" zu halten, um Übergriffe zu vermeiden. Später räumte sie ein, die Aussage sei falsch gewesen, und gestand ein, dass sie impliziere, die Opfer trügen eine Mitschuld. Diese Bemerkung verschärfte die ohnehin bereits angespannte Stimmung in der Bevölkerung, die sich angesichts der Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel besorgt zeigte. Die Folgen der Vorfälle beschränkten sich nicht auf Köln: Olaf Scholz, damals Erster Bürgermeister von Hamburg, bot Reker Unterstützung an und beriet sie im Umgang mit Polizei und öffentlicher Erwartungshaltung. Seine Hilfe kam zu einer Zeit, in der die Debatten über die Medienberichterstattung zu migrationsbezogenen Straftaten an Intensität gewannen. Reker selbst hatte während ihres Wahlkampfs 2015 ein Messerattentat überlebt, was die kritische Betrachtung ihrer Führungsrolle zusätzlich verstärkte. Trotz der Turbulenzen blieb Köln eine offene Stadt und widerstand Forderungen nach Einschränkungen. Später reflektierte Reker, dass die Angriffe einen Wendepunkt markierten, an dem sich immer mehr Deutsche fragten, ob das Land den Zustrom von Geflüchteten bewältigen könne. Die Vorfälle wurden zum Kristallisationspunkt der weiteren Diskussionen über Integration und Sicherheit.
Die Kölner Silvesterangriffe führten zu 36 Verurteilungen und offenbarten gleichzeitig gravierende Lücken im Schutz der öffentlichen Sicherheit bei Großveranstaltungen. Rekers spätere Entschuldigung für ihre Aussagen unterstrich, wie problematisch Opferbeschuldigung in solchen Fällen ist. Das Ereignis prägte zudem die Debatten über die Flüchtlingspolitik in Deutschland und hinterließ ein Erbe, das weit über die Nacht selbst hinauswirkte.