RAW-Gelände in Berlin: Subkultur zwischen Abriss und ungewisser Zukunft
Moritz WernerRAW-Gelände in Berlin: Subkultur zwischen Abriss und ungewisser Zukunft
Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes in Friedrichshain bleibt nach Jahren zäher, ergebnisloser Verhandlungen ungewiss.
2015 hatte die Kurth Group das Areal erworben – mit der Herausforderung, gewinnorientierte Bebauung mit dem subkulturellen Erbe des Ortes in Einklang zu bringen. Ein möglicher Durchbruch zeichnete sich 2022 ab, als eine Vereinbarung getroffen wurde: Im Gegenzug für einen 100 Meter hohen Büroturm sollte das sogenannte „kulturelle L“ unter Schutz gestellt werden. Doch 2024 zog sich der Investor aus dem Deal zurück. Begründet wurde dies mit ungelösten Bedenken und einem Rahmenabkommen, das angeblich nur die Interessen Berlins berücksichtige.
Seither erklärt die Gruppe den Planungsprozess für gescheitert. Ohne die Zusammenarbeit mit dem Bezirk und einen abschließenden Bebauungsplan könne das Vorhaben nicht umgesetzt werden. Die Pattsituation droht nun langjährige Mieter wie den Club Cassiopeia zu verdrängen. Dessen Geschäftsführer, Florian Falkenhagen, wurde kürzlich mündlich mitgeteilt, die Location bis Ende des Monats zu räumen – obwohl der Club seit dem vergangenen Jahr weiterhin Miete zahlt und quasi auf Abruf weiterbetrieben wird.
Hinzu kommt die rechtliche Komplexität durch Paragraf 34 des deutschen Baugesetzbuchs, der Entwicklungen in ehemaligen Ost-Berliner Gebieten auch ohne formellen Bebauungsplan ermöglicht. Die Kurth Group hatte zudem vorgeschlagen, am östlichen Rand des Geländes Wohnraum zu schaffen – als Gegenleistung für die Erhaltung des soziokulturellen „L“. Doch der Bezirk zögerte, vorab Baugenehmigungen zu erteilen. Noch am vergangenen Samstag pulsierte das Gelände vor Leben: Bei einer öffentlichen Fußball-Übertragung war von der drohenden Unsicherheit wenig zu spüren.
Nach fast elf Jahren Diskussionen steht das RAW-Gelände nun an einem Scheideweg. Mieter wie die Cassiopeia könnten bereits in wenigen Wochen gehen müssen. Das Scheitern einer Einigung über ein Entwicklungskonzept wirft die Frage auf: Wie geht es weiter mit diesem ikonischen soziokulturellen Ort?






