Mona Neubaur fordert Reformen gegen digitale Gewalt nach Deepfake-Skandal um Collien Fernandes
Theo BauerMona Neubaur fordert Reformen gegen digitale Gewalt nach Deepfake-Skandal um Collien Fernandes
Mona Neubaur, stellvertretende Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, hat sich zur dringenden Notwendigkeit von Rechtsreformen geäußert, um digitale Gewalt wirksamer zu bekämpfen. Ihre Stellungnahme folgt auf die öffentlichen Schilderungen von Collien Fernandes über den Missbrauch durch Deepfake-Aufnahmen, die eine breitere Debatte über die Handhabung solcher Fälle durch die Gerichte ausgelöst haben.
Fernandes reichte Ende 2025 eine ausführliche Anzeige gegen ihren Ex-Mann, Christian Ulmen, ein. Sie wirft ihm Identitätsdiebstahl, Bedrohungen und "virtuelle Vergewaltigung" durch pornografische Deepfakes vor. Der Fall, der derzeit in Spanien untersucht wird, zeigt deutliche Unterschiede auf, wie verschiedene Länder mit digitaler Gewalt umgehen.
In ihrer 40-seitigen Klageschrift, die beim Amtsgericht Palma de Mallorca eingereicht wurde, beschreibt Fernandes jahrelangen mutmaßlichen Missbrauch. Darin enthalten sind Vorwürfe wegen häuslicher Gewalt, öffentlicher Beleidigungen und der Erstellung gefälschter Profile, über die explizite Deepfake-Inhalte verbreitet wurden. Die spanischen Behörden leiteten im März 2026 Ermittlungen ein – ein proaktiverer Ansatz als in Deutschland.
Neubaur lobte Fernandes für ihren öffentlichen Schritt und bezeichnete dies als "mutige Tat", die andere Betroffene ermutige, sich zu äußern. Sie betonte, dass Deepfakes längst kein Einzelfall mehr seien, sondern eine weitverbreitete Bedrohung, die schnelleres gesetzgeberisches Handeln erfordere.
Die Politikerin wies zudem auf erhebliche rechtliche Lücken in Deutschlands Umgang mit digitaler Gewalt hin. Sie schlug Reformen des Sexualstrafrechts vor, um digitale und physische Übergriffe gleichzustellen. Zu ihren Vorschlägen gehören spezialisierte Gerichte für Sexualstraftaten, die sowohl Online- als auch Offline-Delikte abdecken.
Spaniens Reaktion auf den Fall Fernandes hat politische Diskussionen und Gesetzesinitiativen vorangetrieben, auch wenn bisher keine konkreten neuen Regelungen eingeführt wurden. Der Kontrast zu Deutschlands zögerlicherem Vorgehen hat die Forderungen nach Veränderungen verstärkt. Neubaur warnte, dass Verzögerungen die Opfer schutzlos zurückließen.
Der Fall hat Schwächen im deutschen Rechtsrahmen offenbart, insbesondere bei Deepfakes und digitaler Gewalt. Neubauers Reformvorschläge und die Forderung nach spezialisierten Gerichten zielen darauf ab, diese Lücken zu schließen. Gleichzeitig zeigt Spaniens aktive Verfolgung der Anzeige von Fernandes, wie strengere gesetzliche Maßnahmen solche Straftaten effektiver ahnden können.






