16 March 2026, 12:03

Kunstfreiheit in Gefahr: Über 1.100 Prominente warnen vor politischer Zensur an deutschen Hochschulen

Eine Gruppe maskierter Personen mit Schildern protestiert vor einem glasw├Ąndrigen Geb├Ąude, mit Kameras, Texttafeln und einem Hund.

Offener Brief Warnt vor politischem Druck auf Universit├Ąten - Kunstfreiheit in Gefahr: Über 1.100 Prominente warnen vor politischer Zensur an deutschen Hochschulen

Über 1.100 Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und Kulturschaffende unterzeichnen offenen Brief zur Verteidigung der künstlerischen und akademischen Freiheit in Deutschland

Die Stellungnahme erfolgt vor dem Hintergrund eines heftigen Streits an der Düsseldorfer Kunstakademie, wo Rektorin Donatella Fioretti mit Rücktrittsforderungen konfrontiert wurde, nachdem sie die palästinensische Künstlerin Basma al-Sharif eingeladen hatte. Kritiker:innen warfen al-Sharif Antisemitismus vor, was eine breitere Debatte über politischen Druck auf Universitäten und Kultureinrichtungen auslöste.

Der Konflikt begann im Januar 2026, als eine geplante Veranstaltung mit al-Sharif an der Kunstakademie Düsseldorf nach Protesten abgesagt wurde. Obwohl eine juristische Prüfung ergab, dass ihre Äußerungen nicht strafbar und durch die Meinungsfreiheit gedeckt seien, führten Drohungen in sozialen Medien zu Einschränkungen. Bis Februar kam es zu ähnlichen Absagen bei der documenta in Kassel und im Berliner Haus der Kulturen der Welt. Bis Mitte März hatten zahlreiche Institutionen strengere Prüfverfahren für Künstler:innen mit pröpalästinensischer Haltung eingeführt.

Die Unterzeichner:innen des Briefs – darunter der Fotograf Wolfgang Tillmans, die Philosophin Susan Neiman und die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger – warnen, dass politische Einmischung die verfassungsmäßigen Garantien untergraben könnte. Sie verweisen auf Artikel 5 des Grundgesetzes, der die Freiheit der Kunst, Wissenschaft und Lehre schützt – selbst bei umstrittenen Positionen. Die Gruppe kritisiert zudem die Darstellung der AfD, die diese Freiheiten als "Tarnmantel" für Extremismus diffamiere, und betont, dass damit grundlegende Rechte pauschal unter Generalverdacht gestellt würden.

Fioretti soll nun am kommenden Mittwoch vor einer Sonderitzung des Kultur- und Medienausschusses des Landtages aussagen. Die Unterzeichner:innen betonen, dass ein Nachgeben gegenüber politischem Druck ein gefährliches Präzedenzfall schaffen könnte, der die Unabhängigkeit akademischer und künstlerischer Einrichtungen bedroht.

Der Brief fordert die Abgeordneten auf, sich erneut klar zu den verfassungsmäßigen Freiheiten zu bekennen und Zensur abzulehnen. Er verweist auf die über Düsseldorf hinausreichenden Folgen des Konflikts, da Absagen und verschärfte Richtlinien bundesweit um sich greifen. Das Ergebnis von Fiorettis Aussage könnte die Debatte über politischen Einfluss im deutschen Kulturbereich weiter prägen.

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