Knigge-Experte kritisiert raue Umgangsformen im Bundestag – und fordert mehr Respekt

Admin User
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Ein Mann steht an einem Podium und spricht zu einem Publikum, das auf Stühlen sitzt, mit zwei Fahnen neben ihm und einer Wand, Säulen und Fenstern im Hintergrund.

Knigge-Experte kritisiert raue Umgangsformen im Bundestag – und fordert mehr Respekt

Bundestag in der Kritik: Experte fordert mehr Anstand unter Abgeordneten

Der Deutsche Bundestag steht seit Monaten wegen eines zunehmend ruppigen Umgangstons in der Kritik. Clemens Graf von Hoyos, Vorsitzender der Deutschen Knigge-Gesellschaft, hat nun zu mehr Disziplin unter den Abgeordneten aufgerufen – mit Verweis auf häufige Störungen und einen spürbaren Verlust an Sachlichkeit in den Debatten.

Hoyos verwies auf eine Reihe von Vorfällen, in denen Abgeordnete gegen parlamentarische Gepflogenheiten verstoßen hätten. Besonders Mitglieder der AfD, darunter Axel Gehrke, seien wiederholt mit Ordnungsgeldern und öffentlicher Kritik konfrontiert worden, etwa wegen NS-Vergleichen oder beharrlicher Wortmeldungen außerhalb der Redezeit. Auch in Landesparlamenten hätten ähnliche Zwischenfälle zu Sanktionen geführt. Der FDP-Abgeordnete Frank Müller-Rosentritt sorgte unterdessen mit lautstarken Zwischenrufen und Verfahrensobstruktionen für mediale Aufmerksamkeit. Selbst einzelne Politiker von Linken und CSU gerieten in die Schlagzeilen – etwa wegen provokativer Zwischrufe oder aggressiver Wortbeiträge, wie regionale und überregionale Medien berichteten.

Doch nicht nur verbale Auseinandersetzungen bereiten Hoyos Sorgen. Er diagnostiziert einen kulturellen Wandel in der Debattenkultur: Die Diskussionen würden lauter, emotionaler und zunehmend von der Jagd nach viralen Internetmomenten geprägt. Einen Lichtblick sieht er dennoch: Die Abgeordneten legten wieder mehr Wert auf eine formelle Kleidung und ein gepflegtes Auftreten. Doch die grundsätzliche Umgangsform im Parlament bleibe problematisch. Hoyos spricht von einem "Mangel an Zurückhaltung", der sich in ständigen Protesten, Zwischenrufen und gezielten Störungen äußere – zum Nachteil der inhaltlichen Debattenqualität.

Der Appell zu mehr Anstand kommt zu einer Zeit, in der der Bundestag mit steigenden Spannungen in seinen Reihen kämpft. Hoyos’ Aussagen spiegeln eine breitere Verunsicherung über den Verlust von Umgangsformen in der politischen Auseinandersetzung wider. Ob die Abgeordneten ihr Verhalten anpassen werden, bleibt abzuwarten – doch das Thema hat bereits öffentliche und mediale Aufmerksamkeit erregt.