Familienunternehmer-Kongress: Elite-Treffen statt Mittelstands-Idylle
Moritz WernerFamilienunternehmer-Kongress: Elite-Treffen statt Mittelstands-Idylle
Seit fast 30 Jahren findet der Familienunternehmer-Kongress an der privaten Universität Witten/Herdecke statt. Die Veranstaltung versammelt Firmennachfolger und einflussreiche Persönlichkeiten unter dem Deckmantel der Förderung familiengeführter Unternehmen. Doch hinter dem öffentlichen Image als Plattform für Innovation und verantwortungsvolles Wirtschaften verbirgt sich ein exklusiverer Zweck.
Der Kongress gibt sich als Stimme des deutschen Mittelstands – jener mittelgroßen Betriebe, die oft als Rückgrat der Wirtschaft gelten. Untersuchungen zeigen jedoch, dass viele Teilnehmer nicht kleine Familienbetriebe, sondern Großkonzerne vertreten. Die Teilnahme ist ausschließlich Mitgliedern von Unternehmerfamilien vorbehalten, wobei die Tickets rund 2.000 Euro pro Person kosten.
Die Universität veranstaltet den Kongress auch wegen ihrer wirtschaftlichen Vernetzung und finanziellen Abhängigkeit von solchen Partnerschaften. Während der Kongress vorgibt, sich auf langfristige Wettbewerbsfähigkeit und den Schutz von Vermögen vor Steuern zu konzentrieren, entspricht seine politische Agenda weitgehend der der Stiftung Familienunternehmen. Dazu gehören der Erhalt großer Vermögen und die Sicherung der Familiennachfolge in Großunternehmen.
Jährlicher Höhepunkt ist ein Galadinner, bei dem Studierende der Universität – gegen Mindestlohn – die Gäste bedienen. Der Kongress ist eingebettet in ein Netzwerk aus Lobbygruppen, wirtschaftsnaher Forschung und politischem Einfluss, das seine Rolle als Treffen einer wirtschaftlichen Elite festigt.
Der Familienunternehmer-Kongress inszeniert sich weiterhin als Fürsprecher des Mittelstands. Doch die hohen Teilnahmegebühren, die exklusive Gästeliste und der Fokus auf Vermögenserhalt offenbaren seine wahre Funktion. Die Veranstaltung bleibt ein zentraler Knotenpunkt im Geflecht aus Unternehmensmacht, politischer Interessenvertretung und akademischen Institutionen.






