Exportboom aus China bringt globale Ro-Ro-Schifffahrt an ihre Grenzen
Moritz WernerExportboom aus China bringt globale Ro-Ro-Schifffahrt an ihre Grenzen
Nachfrage nach Fahrzeug-Exporten aus China belastet globale Schifffahrtskapazitäten – Ro-Ro-Dienste kommen an ihre Grenzen
Die Knappheit an Ro-Ro-Kapazitäten begann bereits im Sommer, als die Montagewerke nach den coronabedingten Produktionsausfällen die Fertigung hochfuhren. In der Pandemie stillgelegte oder verschrottete Schiffe wurden nicht ersetzt, was zu einem anhaltenden Engpass führte. Wallenius Wilhelmsen, ein führender Anbieter im Ro-Ro-Bereich, bestätigt die angespannte Lage und erwartet, dass sie sich bis 2023 fortsetzen wird.
Selbst mit den neu in Dienst gestellten Ro-Ro-Schiffen in diesem Jahr lässt sich der Nachfrageboom aus China nicht decken. Automobilhersteller buchen inzwischen vermehrt Containertransporte für Fahrzeuge, um überhaupt Kapazitäten zu sichern. Einige erwerben sogar eigene Schiffe und betreiben sie in Joint Ventures mit Logistikunternehmen, um die Kapazitätsgrenzen zu umgehen.
Der Run auf Containerlösungen kommt Spezialisten wie CFR Rinkens zugute, die nun über neue Aufträge für Container-Regalsysteme nachdenken. Die Spotraten für Container auf der Route Shanghai–Nordeuropa sind zwar leicht zurückgegangen und lagen im Januar bei durchschnittlich 1.700 US-Dollar pro High-Cube-FEU (ohne Umschlagkosten). Doch die jahrelange Unterinvestition in die Flotten hat die Frachtraten sowohl im Ro-Ro- als auch im Con-Ro-Bereich in die Höhe getrieben. Gleichzeitig drohen den Herstellern Vertragsstrafen, wenn sie vereinbarte Transportvolumina nicht einhalten.
Von einer Entspannung der Kapazitätskrise ist vorerst nichts in Sicht. Die Automobilkonzerne reagieren, indem sie vermehrt auf containerisierte Lösungen setzen oder eigene Schiffe erwerben. Die Anbieter von Container-Fahrzeugtransporten verzeichnen dadurch eine steigende Nachfrage – eine direkte Folge des anhaltenden Ro-Ro-Mangels.
