Europas Industrie warnt EU vor Wettbewerbsnachteilen durch steigende CO₂-Kosten
Charlotte WagnerEuropas Industrie warnt EU vor Wettbewerbsnachteilen durch steigende CO₂-Kosten
Über 36 führende europäische Industrieunternehmen haben in einem Brief an die EU-Spitze dringendes Handeln im Rahmen des Emissionshandelsystems gefordert. Das Schreiben, unterzeichnet von Konzernen wie ArcelorMittal, BP und BASF, warnt vor steigenden Kosten, die die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie gefährden. Gefordert werden Maßnahmen, um weitere Schäden abzuwenden, solange der Übergang zu einer klimaneutralen Infrastruktur noch nicht abgeschlossen ist.
Das EU-Emissionshandelssystem verpflichtet Industrieanlagen, Zertifikate für den Ausstoß von Treibhausgasen zu erwerben. Die Kosten steigen, wenn Unternehmen ihre Emissionen langsamer reduzieren, als die verfügbaren Zertifikate knapper werden. Die Einnahmen aus dem System fließen größtenteils in Klimaprojekte, darunter den Aufbau von Wasserstoffnetzen für die Industrie.
Die Unternehmen argumentieren, dass die aktuellen Rahmenbedingungen die industrielle Transformation behindern. Sie verweisen auf fehlende oder unzureichende Infrastrukturen für Strom, Wasserstoff sowie den Transport und die Speicherung von CO₂. Zudem heißt es in dem Brief, die EU handle mit der raschen Erhöhung der CO₂-Kosten für ihre Industrie allein – eine Vorgehensweise, die nicht mehr mit den globalen Realitäten übereinstimme.
Im Rahmen des EU-Klimapakets „Fit for 55“ wurden bereits die kostenlosen Zuteilungen von Emissionszertifikaten schrittweise abgeschafft. Um Wettbewerbsnachteile auszugleichen, führte die Union den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) ein, eine Abgabe auf kohlenstoffintensive Importe.
Die Industrievertreter fordern nun Sofortmaßnahmen, um den Kostenanstieg zu stoppen und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu sichern. Ohne bessere Infrastrukturen und angepasste Politiken, so die Warnung, riskiere das aktuelle System die wirtschaftliche Stabilität der Region. Der Brief unterstreicht die Kluft zwischen klimapolitischen Zielen und den notwendigen praktischen Schritten zu deren Umsetzung.






