Düsseldorfs umstrittenes Drogenhilfezentrum: Warum Oberbilk gegen das Zürcher Modell kämpft
Charlotte WagnerDüsseldorfs umstrittenes Drogenhilfezentrum: Warum Oberbilk gegen das Zürcher Modell kämpft
Düsseldorf stellt Pläne für neues Drogenhilfezentrum in Oberbilk vor
Am Donnerstagabend wird Düsseldorf die Pläne für ein neues Drogenberatungszentrum im Stadtteil Oberbilk vorstellen. Die Einrichtung soll drogenbedingte Probleme mit einem Konzept angehen, das sich am Zürcher Modell orientiert. Doch bereits jetzt formiert sich Widerstand: Anwohner und Schulen halten den gewählten Standort für ungeeignet.
Die Stadt hat für das Projekt in diesem Jahr 3,3 Millionen Euro im Haushalt veranschlagt. Das Zentrum entsteht in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofs und soll Beratungsangebote, medizinische Grundversorgung sowie psychiatrische Unterstützung bieten. Statt alle Leistungen auf einmal einzuführen, wird das Zentrum die Angebote schrittweise in einem modularen System ab diesem Sommer aufbauen.
Das Vorgehen lehnt sich an das Zürcher Modell an, das zwischen 1993 und 1995 in der Schweiz eingeführt wurde. Damals vollzog man einen Wandel – weg von repressiver Polizeiarbeit, hin zu präventiver Gemeinschaftsarbeit mit Streifengängen und behördenübergreifender Zusammenarbeit. Im Zürcher Quartier Langstraße führte dies bis zum Jahr 2000 zu einem Rückgang der Gewaltkriminalität um 42 Prozent und der Eigentumsdelikte um 60 Prozent, bei gleichzeitig hoher öffentlicher Zustimmung.
In Düsseldorf stößt das Vorhaben jedoch auf sofortige Ablehnung. Bei der ersten Bürgerversammlung sahen sich die Verantwortlichen der Stadt mit scharfer Kritik und Frustration konfrontiert. Die Bürgerinitiative Eisenstraße hat bereits über 2.200 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Auch Schulen und Kitas in der Umgebung lehnen den Standort als unzumutbar für ihre Einrichtungen ab.
Trotz des lokalen Widerstands wird die Stadt das Drogenhilfezentrum wie geplant umsetzen. Die Finanzierung und die schrittweise Einführung sind bereits beschlossen. Zwar könnte der Erfolg des Zürcher Modells in der Schweiz als Orientierung dienen – doch Düsseldorf muss nun die anhaltenden Bedenken von Anwohnern und Institutionen ausräumen.