Düsseldorfs Straßenmagazin Fiftyfifty kämpft ums Überleben nach dramatischem Verkaufseinbruch
Sophia WeberDüsseldorfs Straßenmagazin Fiftyfifty kämpft ums Überleben nach dramatischem Verkaufseinbruch
Fiftyfifty, ein Magazin, das in Düsseldorf von obdachlosen und marginalisierten Verkäufer:innen angeboten wird, verzeichnet einen drastischen Rückgang der Verkaufszahlen. Die Auflage ist von einst 40.000 Exemplaren auf unter 12.000 im Januar dieses Jahres gesunken. Der Einbruch spiegelt die allgemeinen Herausforderungen der Printmedien wider – steigende Kosten und eine wachsende Feindseligkeit gegenüber den Verkäufer:innen kommen hinzu.
Gegründet wurde die Zeitschrift von Hubert Ostendorf, um Obdachlosen nicht nur ein Einkommen, sondern auch eine Stimme zu geben. Doch nun steht ihre Zukunft auf dem Spiel, da der digitale Wandel und soziale Spannungen ihre Spuren hinterlassen.
Seit seinem Start bietet Fiftyfifty den Verkäufer:innen weit mehr als nur eine Einnahmequelle. Das Magazin vermittelt Struktur, Würde und soziale Bindung – Dinge, die im Leben auf der Straße oft fehlen. Gleichzeitig dient es als Plattform, um Missstände aufzuzeigen und gegen die Diskriminierung von Menschen ohne Wohnraum zu kämpfen.
Der Verkauf bleibt die Hauptfinanzierungsquelle, doch Spenden und eine Wohltätigkeitsgalerie unterstützen zusätzliche Projekte wie Straßenhilfe, tierärztliche Versorgung für herrenlose Hunde und Wohninitiativen. Dennoch wird es immer schwieriger, das Magazin am Laufen zu halten. Die Produktionskosten sind gestiegen, sodass der Verkaufspreis auf 3,40 Euro steigen musste – immer noch günstiger als ein Kaffee oder ein Busticket.
Der Verkaufsrückgang ist Teil eines bundesweiten Trends: Seit 2020 haben mindestens 15 deutsche Straßenmagazine ihre Auflage reduziert oder ganz eingestellt. Die Gründe reichen von digitaler Konkurrenz bis zu den Nachwirkungen der Pandemie. Bei Fiftyfifty kommt ein weiterer Faktor hinzu: zunehmender Rassismus und Feindseligkeit, insbesondere gegenüber Verkäufer:innen mit Migrationshintergrund.
Um sich anzupassen, hat das Magazin Fiftyfifty-ObdachLOS ins Leben gerufen, eine digitale Version nach dem Prinzip eines Rubbelloses. Die Verkäufer:innen erhalten weiterhin die Hälfte des Verkaufspreises – so bleibt das Grundprinzip des Straßenmagazins auch in einem sich wandelnden Markt erhalten. Doch ohne die gedruckte Ausgabe, warnen die Verantwortlichen, könnte ein wichtiges Instrument der Interessenvertretung verschwinden, das Obdachlosigkeit in der öffentlichen Debatte sichtbar hält.
Das Überleben des Magazins hängt davon ab, den Verkaufsrückgang und den Rückgang der öffentlichen Unterstützung umzukehren. Sollte die Auflage weiter sinken, könnten obdachlose Verkäufer:innen in Düsseldorf eine zentrale Einnahmequelle und Gemeinschaft verlieren. Gleichzeitig würde eine wichtige Stimme im Kampf gegen Diskriminierung und Wohnungsungerechtigkeit verstummen.