Biogasanlagen in Deutschland kämpfen um ihre Zukunft nach Förderstopp
Moritz WernerBiogasanlagen in Deutschland kämpfen um ihre Zukunft nach Förderstopp
Die Biogasanlage der Familie Benning in Nordrhein-Westfalen steht vor einer ungewissen Zukunft, nachdem sie eine wichtige Förderung verloren hat. Ihr Kampf spiegelt eine größere Krise wider, die Deutschlands rund 10.000 landwirtschaftliche Biogasbetreiber betrifft – viele von ihnen werden bis 2031 ihre staatliche Unterstützung verlieren. Trotz ihrer Bereitschaft, in erneuerbare Energien zu investieren, haben rechtliche Verzögerungen und Probleme mit der EU-Genehmigung sie in eine unsichere Lage gebracht.
2023 bewarb sich die Familie Benning um einen Bundeszuschuss zur Modernisierung ihrer Anlage, doch wie unzählige andere Betreiber wurde auch ihr Antrag abgelehnt. Die Absage zwang sie, eines von fünf Blockheizkraftwerken (BHKW) stillzulegen, die seit 20 Jahren über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert worden waren. Ohne diese Unterstützung mussten lokale Wärmeverbraucher wieder auf fossile Brennstoffe zurückgreifen – ein Rückschritt, der den jährlichen Ersatz von etwa 700 MWh Erdgas durch Biogaswärme zunichtemachte.
Die Situation der Bennings ist kein Einzelfall. Rund 8.000 der 10.000 deutschen Biogasanlagen werden bis 2031 ihre Förderung verlieren, was einen gesamten Sektor bedroht, der derzeit wetterunabhängig Strom und Wärme liefert. Allein in Nordrhein-Westfalen gibt es 1.100 solcher Anlagen, die flexibel Strom und Wärme erzeugen können.
Fachleute betonen, dass Biogas bis zu 50 Prozent des verbleibenden Strombedarfs Deutschlands decken könnte – insbesondere in Phasen mit wenig Wind- und Solarstrom. Eine Studie aus dem Jahr 2024 kommt sogar zu dem Schluss, dass Biogas bis 2040 die Hälfte der fehlenden Kapazitäten im Land ausgleichen könnte. Projekte wie „Visuflex“ zeigen, wie modernisierte Anlagen bereits heute zuverlässig Strom liefern könnten und potenziell zwei Millionen Haushalte mit Wärme versorgen könnten.
Das Biogas-Paket der Bundesregierung aus dem Jahr 2024 gibt etwas Hoffnung. Es sieht bessere Anreize für Anlagen vor, die Strom flexibel ins Netz einspeisen, und bietet Betreibern wie den Bennings die Chance zur Anpassung. Doch die anhaltende Unsicherheit über die EU-Zustimmung bremst Investitionen weiter aus – viele Anlagen stehen vor der Schließung.
Die Bennings und tausende andere Betreiber sind bereit, ihre Rolle bei der Energiewende auszubauen. Doch ohne klarere rechtliche Zusagen bleibt ihre Investitionsfähigkeit – und damit auch das Potenzial Deutschlands, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern – in der Schwebe. Die kommenden Jahre werden entscheiden, ob Biogas die versprochene Rolle bei der Sicherung der Energiezukunft des Landes spielen kann.






